Archive for the 'Deutschenschweiz' Category

Wer möchte Schweizerdeutsch lernen?

Wenn man nach alemannischen oder schweizerdeutschen Sachen sucht, findet man manchmal seinen Weg auf dieses Blog hier. Da freue ich mich natürlich, aber meine Schweizerdeutsch-Ergüsse waren bisher eher negativ. Mein Hobby in diesen Aritkeln war es, mich über die Germanisierung der schweizerdeutschen Sprache aufzuregen und hässlich Unschweizerisches z.B. in der Werbung anzuklagen.

Das finde ich nach wie vor alles grosse Scheisse, aber ich gebe es langsam auf, meine Nerven darauf zu vergeuden. Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass Sprachen etwas Lebendiges sind und sich gegenseitig beeinflussen und vermischen. Der Dialekt gleicht sich ganz von selbst dem Standarddeutsch des grossen Nachbarn im Norden an. Könnte schlimmer sein. Auf den Philippinen mischen die Leute völlig selbstverständlich ganze englische Nebensätze in einen Filipino-Hauptsatz. Wie schräg ist das denn?

So lange es den Dialekt aber noch gibt: Sind Deutschsprechende im Publikum, die sich freuen würden, ab und zu einen alemannischen/schweizerdeutschen Sprachfetzen zu lernen? Dann bitte per Kommentar melden :)

Es gibt scheinbar kaum moderne Quellen, um zeitgemässes Schweizerdeutsch zu lernen. Ich behaupte nicht, meines sei besonders toll, denn ich habe nach zehn Jahren Zürich sicher Khûrer Ausdrücke verloren und mit Zürcher Eigenheiten (Zürichismen?) vermischt. Aber für eine Kurzeinführung ins Alemannische für Deutschsprechende sollte es noch reichen. Ausserdem wage ich die Behauptung, dass man vom deutschen oder österreichischen Deutsch aus gar keine soooo grossen Sprünge machen muss, damit es auch auf Schweizerdeutsch flutscht. Ein paar Grundregeln aufsaugen, ein paar Wörtli lernen, das wärs. Schon ist man total integriert :)

Und keine Angst, ich komme nicht mit “Chuchichäschtli” oder “Chääschüechli” und solchem Blödsinn. Das “Ch” existiert in meinem Dialekt überhaupt nicht. Da muss man sich auch nicht die Gurgel brechen bei der Aussprache. Khûrertütsch ist sehr arm an Lauten, die es im Hochdeutschen nicht gibt, und ausserdem einer der (gemäss Umfrage) schönsten Dialekte der Schweiz. Das dürfte sich sehr leicht lernen lassen.

Na, interessiert?

Update 2010-04-08: Gut, scheint keine Sau lernen zu wollen. Dann lassen wir das bleiben :)

(This is another post about the decline of the Swiss-German language, so it won’t make much sense to translate this to English. But if you’re interested in what’s going on, drop a comment and I’ll give a summary :) )

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Ich freue mich über Leser aus Deutschland, die scheinbar über die Suche nach “Schweizerdeutsche Sprache” und ähnliches auf die Deutschenschweiz-Kategorie stossen. Super :)

Deshalb hier ein kurzer Artikel über ein paar Helvetismen, also Schweizer Begriffe im Schriftdeutsch der Schweiz, und vielleicht ein paar Worte zur Unterscheidung der Sprachen. Einige Deutsche scheinen zu denken, Schweizerdeutsch ist Hochdeutsch mit einem seltsam betontem K und rollendem R. Den Eindruck könnte man gewinnen, wenn man Schweizern hauptsächlich über SF1 oder Wiederholungen in 3Sat begegnet ist. Wer denkt, alles andere seien urchige Dialekte vom Land, ist spätestens dann hoffnungslos verwirrt, wenn er in Bern aus dem Zug steigt und mit Bärndütsch und Französisch konfrontiert ist.

Es gibt zwei Varianten von Deutsch in der Schweiz: Das Schweizer Schriftdeutsch und das Schweizerdeutsch. Ersteres ähnelt dem Hochdeutschen. Es ist die Standardsprache in Schulen der Deutschschweiz und folgt der deutschen Grammatik, hat aber einige Eigenheiten und Wörter, die man in Hochdeutsch nicht findet. Das Esszett (ß) existiert zum Beispiel überhaupt nicht, es wird immer Doppel-S geschrieben (Grösse, schliessen, Füsse…). Helvetische Wörter findet man hier auch:

  • Es heisst nicht Hähnchen sondern Poulet
  • Fahrrad heisst Velo
  • Gehsteig heisst Trottoir (Sprich: “Trottuahr”)
  • Geldbeutel heisst Portemonnaie
  • Man zieht nicht um, man zügelt
  • Parken heisst parkieren
  • Grillen heisst grillieren
  • Vereinbaren heisst abmachen
  • Der Fahrschein ist das Billet
  • Ein Pfand ist ein Depot (Das Tram- oder Busdepot ist aber auch ein Depot)
  • Der Reisebus heisst Car
  • Hausschuhe sind Finken
  • Die Autowerkstatt ist eine Garage, die Garage zuhaus aber auch
  • Innerhalb ist innert (“zahlbar innert x Tagen”)
  • Sahne ist Rahm
  • Eine Ampel ist ein Lichtsignal
  • Im Nüsslisalat hat es keine Nüsse (okay, manchmal schon), das ist ein Feldsalat
  • Die rote Beete heisst hier Rande
  • Etwas süsses (im Sinne von “oooh, wie süss!”) ist herzig

Man könnte die Liste noch beliebig ergänzen. Die meisten dieser Wörter sind in der Schriftsprache völlig legal, doch scheinbar haben die Schulen heutzutage seltsame Lehrmittel (oder die Jugend sieht zu viel deutsches Fernsehen), denn ich höre manchmal sogar im Schweizerdeutschen Wörter wie “Gehsteig” oder “Haltestell”, wo man eigentlich Trottoir und Station sagt. Dazu aber ein andermal mehr, heute geht es ja hauptsächlich um die Helvetismen.

Die Österreicher scheinen stolzer zu sein auf ihre Sprache. Wenn ich dort im Restaurant sitze, ist von Marillen die Rede, nicht von Aprikosen. Auch, wenn man explizit Hochdeutsch spricht (weil der blöde Ausländer den Dialekt nicht versteht), bleiben die österreichischen Begriffe meist unübersetzt. Bei weniger geübten Hochdeutsch-Sprechern in der Schweiz ist das zwar auch so (“Sehen sie das Velo dort auf dem Trottoir?”, dies zum deutschen Touristen…) aber in Städten wie Zürich scheint es Mode zu sein, on-the-fly von Trottoir auf Gehsteig und von Billet auf Fahrkarte umzusteigen, wenn man mit Deutschen spricht.

Vielleicht ist das auch alles subjektiv, ich war ja nicht lange in Österreich. Trotzdem wünsche ich mir mehr Stolz auf die Helvetismen, so wie die Österreicher stolz zu sein scheinen auf ihr eigenes Deutsch. Irgendwo sind die Lehnwörter ja hergekommen, hierzulande hauptsächlich aus dem Französischen und Italienischen. In Österreich haben wir noch ungarische, polnische und andere östliche Einflüsse. Das ist doch schön, abwechslungsreich und farbig, warum sollten wir unsere Schriftsprache auch noch opfern, wenn der Dialekt schon stirbt?

Das gilt übrigens gleichermassen für Schwaben, Fischköppe, Berliner und Leipziger. Auch die regionalen Ausdrücke innerhalb Deutschlands sollten bleiben dürfen. Nicht, dass man meint, ich mag keine Deutschen.

(This is another post about the decline of the Swiss-German language, so it won’t make much sense to translate this to English. But if you’re interested in what’s going on, drop a comment and I’ll give a summary :) )

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Ausnahmsweise darf ich in dieser Rubrik einmal ein Lob aussprechen. Und zwar an einen eher unerwarteten Preisträger: Burger King.

Heute am Zürcher Hauptbahnhof gesehen: Ein Plakat mit der riesigen Aufschrift “Der Whopper. Auf offener Flamme grilliert”. In der Schweiz heisst es “grilliert”, nicht “gegrillt”. Burger King Deutschland allerdings wirbt mit “gegrillt”, deshalb kann das nicht eins zu eins das gleiche Plakat sein. Bei Burger King Schweiz scheint es also jemanden zu geben, der solche Details korrigiert und die Plakate einschweizert.

Merci! :)

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Mit H1N1 kommt nicht nur die Virusangst in die Schweiz sondern auch ein deutsches Wort ins Schweizerdeutsch: “Z Schwein”. Oder wie erklärt man sich das? Zeigt man auf ein paar Schweine und fragt einen Deutschsschweizer, was er da sieht, sagt er “a paar schwii” und nicht “a paar schweine”. Der Plural auf -e existiert in dieser Form nicht einmal. In Züritüütsch sieht man das besser (“d schuä”, “d tramliniä”, “d bürger und bürgerinnä”) — wenn, dann müsste “schweine” ein Plural auf kurzes -ä (Züritüütsch) bzw. in Khûrertütsch auf kurzes -a oder -e werden.

Das -ä ist übrigens auch nicht ganz korrekt, aber ich beherrsche die Dieth-Schrift nicht und habe keine Ahnung, was für einen Accent dieses kurze ä eigentlich bräuchte. ê? è?

Nun denn. Eine Anatomie des Wortes “schwii”:

schwii (n.) (pl. schwii): Vierbeiniges rundes rosa Ding mit kurzem Rüssel. Frisst alles mögliche.

Warum heisst es dann plötzlich “d schweinegripp”? Ich habe keine Erklärung. Das muss doch wehtun, so ein Wort herauszuquetschen?

Ich boykottiere dieses Wort und bleibe beim Konstrukt “d schwiigrippa”. Da sind wenigstens die Einzelteile richtig.

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germ-swissian-flag.pngHeute in 20 Minuten gelesen: Die UNESCO stuft Schweizerdeutsch von “nicht bedroht” neu als “unsicher” ein. Ich fühle mich bestätigt, denn ich motze ja schon lange über die schleichende Unterwanderung der Dialekte durch Germanismen. Das wundert ja auch nicht, wenn doch die Schweiz seine Dialekte freiwillig und schon im Kindergarten zerstört, z.B. indem sie Kindergartenlehrer dazu zwingt, mit den Kleinen Hochdeutsch zu sprechen.

20 Minuten zitiert ausserdem ein weiteres schönes Beispiel: Fernsehmoderatoren sagen germanisierte Dinge wie “insbsunderi” statt des schweizerdeutschen “bsunders”. Da fallen mir die Nasenhaare aus.

Wenn man sich den UNESCO Atlas der bedrohten Sprachen ansieht, ist die Schweiz damit die Heimat einer unsicheren (Schweizerdeutsch) und drei bedrohter Sprachen (Romanisch, Lombardisch und Francoprovençal).

Verlieren wir das Schweizerdeutsch, verlieren wir auch einen Teil unserer Identität. Schaut euch doch mal bei unserem Nachbarn im Norden um: Dialekt wird nur noch im Dorf gesprochen, gestandene Bayern säuseln zum besseren Verständnis in bühnenreifem Hochdeutsch vor sich hin statt mit fröhlich rollendem R und gutem Beispiel voranzuschreiten und halt auch einmal ein Wort zu benutzen, das ein Fischkopp vielleicht nicht kennt. Habt doch Mut zum Dialekt, dann ginge es dem Schweizerdeutsch vielleicht auch besser.

Dabei haben die Deutschen “nur” ihre Dialekte zu verlieren. Die Schweizer, die Westösterreicher und die Südostdeutschen verlieren eine richtige Sprache, das Allemannische.

Blinder Protektionismus ist sicherlich auch doof, aber ich fange einmal mit einem Projekt an, das ich schon lange starten wollte. Ich suche mir jemanden, der noch richtigen Zürcherdialekt spricht und übersetze die Applikationen der Zürcher Hochschule der Künste ins Züritüütsch. Wenigstens die, für die ich zuständig bin. Klar, das hat keinen praktischen Nutzen, aber vielleicht fällt den Leuten so auf, wie gleichgültig sie ihre Sprache opfern.

Ich würde ja lieber Khûrertütsch verwenden, aber erstens kommen die Applikationen ja aus einer Zürcher Hochschule und zweitens habe ich schon so lange keine richtiges Khûrertütsch mehr gehört, dass ich es weder richtig kann noch glaube, dass der Khûrer Wortschatz das Sterben der letzten Generation überlebt hat :(

Kann jemand hier Züritüütsch? Und vielleicht auch schon von gettext gehört? Das wäre die Idealkombination :)

(This is another post about the rude mutilation of the Swiss-German language by companies from Germany, so it won’t make much sense to translate it to English.)

germ-swissian-flag.pngIch sehe wirklich nicht viel fern, aber in fast jeder Werbepause findet man wieder schweizerdeutsche Werbespots, die klingen, wie wenn ein deutscher den Text geschrieben hätte, der die Schweiz höchstens daher kennt, einmal ein Bild von einem Fondue in einem Lexikon gesehen zu haben.

Mein neues Beispiel ist Mars. Ja, amerikanische Firma, trotzdem schlecht. Um die Euphorie für die Fussball-EM 2008 in der Schweiz anzukurbeln, wird das beliebteste Produkt der Firma für die EM-Zeit von Mars in “Hopp” umbenannt. Das kommt vom Fussball-Fan-Ausruf “Hopp, Schwiiz!” Soweit ganz herzig. Aber was sagt der überschweizerische Schweiz-Fan im Werbespot da? Er sagt:

“[...] um eusi Fuessball-Nati zum Sieg z triibe.”

“Um” gibt es nicht. Das heisst “zum”. Solche germanische Verwässerungen der Schweizer Sprache sind ja an sich schon beschämend, aber Mars macht sich hier zum doppelten Verlierer: Die ganze Werbekampagne baut auf das Hopp, einen klaren Helvetismus. Wenn die Werber zwar den Helvetismus für ihre Verkaufsförderung ausnutzen wollen, nicht aber den zweiten Schritt tun und die schweizerdeutsche Sprache dafür verwenden, sind das zwei Eigentore für Mars.

Deshalb überreiche ich der Mars Corporation heute die deutschenschweizerische Flagge zur Anerkennung ihrer Arbeit gegen die schweizerdeutsche Sprache und den erfolgreichen Angriff auf den alemannischen Sprachraum.

(This post seems to be in German. Sorry about that. It just wouldn’t make sense to write it in English, it’s a local thing.)

germ-swissian-flag1.pngEs ist frustrierend zu sehen, wie urschweizerische Firmen in ihrer Werbung das Schweizerdeutsch vergessen haben. Nestlé zum Beispiel scheint seine Werbung erst in Hochdeutsch zu schreiben und dann einzuschweizern. Wie sonst ist zu erklären, dass in der Incarom-Werbung die neue Verpackung in Züridütsch als “Dosä” statt als “Büchs” bezeichnet wird? Nicht irgendein Produkt, nein, Incarom! Der schweizerischste aller Zichorie-Maltodextrin-Instant-Kaffees verlernt sein Schweizerdeutsch.

Incarom kennt ausserhalb der Schweiz niemand, es gibt keine Deutschland-deutsche Incarom-Website bei Nestlé, das Produkt ist ein Binnenprodukt, produziert für einen Binnenmarkt von Binnenschweizern mit ihrem Binnenschweizerdeutsch. Warum nur säuselt die Dame in der Werbung dann Zürihochdütsch? Vielleicht ein deutscher Texter, sprachlich noch nicht ganz assimiliert? Oder deutsche Werbefirma für schweizerdeutsche Werbung? Man könnte heulen.

Ein ähnlich hässlicher Auswuchs der Werbeindustrie ist das kürzlich gehörte “Chüelregal”. Gibt es ein Regal? Mein Ohr verlangt nach einem Gstell. Deshalb, wenn wir hier schon zürcheren: Chüelgstell.

Ich bin kein Traditionalist, aber die Entschweizerung des schweizerdeutschen Vokabulars gefällt mir nicht. Wenn man sich heute ein altes (20er-Jahre) Khurertütsch-Wörterbuch anschaut, findet man dort fast nur Wörter, die man auch als Khurer nie gehört hat. Das mag ein Opfer der Angleichung der Dialekte sein, andererseits möchte ich auch die Verhochdeutschung der Gesellschaft schuldig erklären, und diese kulminiert darin, dass wir Incarom jetzt in einer “Dosä” kaufen können.

Schweizerdeutsch ist nicht Hochdeutsch. Schweizerdeutsch ist eine alemannische Sprache, Hochdeutsch eine westgermanische. Das Schweizerdeutsch zu germanisieren ist genauso eine blöde Idee wie das Hochdeutsch zu alemannisieren. Also hört auf damit.

Deshalb überreiche ich Nestlé SA heute die deutschenschweizerische Flagge zur Anerkennung ihrer Arbeit an der subtilen Ausrottung des alemannischen Sprachgebrauchs.